Aus Verein für offene Psychiatrie wurde gemeinnützige Gesellschaft im Main-Tauber-Kreis
Main-Tauber-Kreis. "Brücke" und "Phoenix" sind bekannte Vereine im Engagement für psychisch kranke Menschen im Main-Tauber-Kreis.
Der Verein für offene Psychiatrie (VOP), der Mitte 1997 als Dachverband für die beiden bestehenden Vereine gegründet wurde,
setzte sein Kernarbeitsfeld des "Ambulant Betreuten Wohnens" fort. Jetzt kam es wiederum zu einer Umbenennung. Aus dem "Verein
für offene Psychiatrie" wurde die "Gemeinnützige Gesellschaft für offene Psychiatrie im Main-Tauber-Kreis mbH", die weiterhin
mit VOP gekürzt wird. Für die Betroffenen hat sich weder an der inhaltlichen Arbeit noch an den betreuenden Personen etwas geändert.
Auch die Träger der Gesellschaft sind nach wie vor die Vereine "Brücke" und "Phoenix".
Allein die Größe der Einrichtung ließ eine Veränderung der Rechtsform notwendig werden. "Die Verwaltungsaufgaben sind vielfältig
und mit 13 Mitarbeitern, von denen sechs hauptamtlich beschäftigt sind, stiegen auch die Personalaufwendungen", so Alfred Wolfert,
der gemeinsam mit Jürgen Groß die Geschäftsführung der neuen Gesellschaft inne hat. Und Groß fügt hinzu: "Mit der geänderten
Rechtsform sind keinerlei wirtschaftliche Interessen verbunden."
Vieles hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Betreuung von psychisch kranken Menschen getan. Waren es Anfang der
70er Jahre Vereine, die sich ehrenamtlich um ihre Betreuung nach einem Klinikaufenthalt kümmerten, ist der Anspruch auf Hilfen
zu einem selbstbestimmten Leben in betreuten Wohnmöglichkeiten mittlerweile im neunten und im zwölften Sozialgesetzbuch
festgeschrieben. Regelmäßige Beratung und persönliche Betreuung durch Fachkräfte gehören damit zum Standard.
Auch der Weg zum Betreuten Wohnen hat sich im Laufe der Jahre geändert. Kamen die Klienten früher direkt nach einem Klinikaufenthalt
mit Zustimmung des Landeswohlfahrtsverbandes, erfolgt nach dessen Auflösung nunmehr die gezielte Hilfeplanerstellung durch den
sozialpädagogischen Fachdienst für Menschen mit Behinderung beim Landratsamt Main-Tauber. Ziel dieses Plans ist es, jedem Menschen
mit Behinderung eine bessere Eingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen und ihn schrittweise zu einer selbstständigen
Lebensführung zu befähigen.
Der VOP bietet mit seinem Betreuten Wohnen ein niederschwelliges Angebot für Menschen zwischen 18 und 65 Jahren. Zu den Aufgaben
gehören regelmäßige Gespräche, Problemlösungen und vor allem Motivationsarbeit, um eine regelmäßige Tages- und Arbeitsstruktur
zu ermöglichen. Schließlich gehören zu den Klienten Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen, auf die sich individuell
einzustellen ist: Menschen mit Psychosen, mit Depressionen, mit Verhaltensstörungen, Menschen mit Minderbegabung oder Borderliner,
eine Mischung aus neurotischen und psychotischen Störungen, die sich auch in Selbstverletzungen äußern kann.
"Wir bieten insgesamt 40 Wohnplätze in Wohngemeinschaften aber auch im Betreuten Einzel- und Paarwohnen im Main-Tauber-Kreis",
so Jürgen Groß. Welche Wohnform für wen geeignet ist, stellt sich oft erst mit der Zeit heraus. Manch einer kommt von der WG zum
Einzelwohnen, um sich dann allmählich in die Selbstständigkeit zu verabschieden, andere hingegen können einfach nicht allein wohnen.
Die Betreuer des VOP sind in jedem Fall Bezugspersonen und Ansprechpartner für alles, was das Leben ausmacht. Daneben organisieren
sie gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Kegeln, Ausflüge oder Wanderungen und betreiben das Tageszentrum "Der Treff" in der
Tauberbischofsheimer Goethestraße 2 für Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht oder nicht mehr einer Beschäftigung auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt oder in einer Werkstatt nachgehen können.
Seit drei Jahren gibt es auch eine Zweigstelle mit eingeschränktem Angebot in Bad Mergentheim. "Der Treff" ist ein offenes Angebot
für rund 30 Erwachsene mit einer psychischen Erkrankung. Menschen mit akuter Suchtproblematik allerdings können nicht teilnehmen.
Im Vordergrund stehen auch hier die Tagesstrukturierung und soziale Integration, Freizeitgestaltung und die Erhöhung der
individuellen Lebensqualität, die nicht zuletzt der Vermeidung eines Klinikaufenthalts und somit der Kostenersparnis dient.
Gemeinsames Kochen und Freizeitgestaltung, offene Gesprächskreise sowie ein gemeinsamer Frühstücks- und Mittagstisch helfen nicht
allein den Betroffenen, sondern entlasten auch Angehörige.
Sehr beliebt ist die arbeitsorientierte Beschäftigung, bei der Verpackungsarbeiten für Firmen erledigt werden und ein zusätzliches
Taschengeld zu verdienen ist. hvb
Fränkische Nachrichten,
18. August 2007
Gruppe des Vereins für offene Psychiatrie unternahm eine Freizeit am Meer
Tauberbischofsheim -
Urlaub machen, einmal im Jahr ins Ausland verreisen, dem Alltag entfliehen, etwas Neues erleben, ausspannen. Davon träumt
doch fast Jeder; und viele tun es dann auch, manche sogar mehrmals im Jahr! Für die meisten Bewohner des Ambulant Betreuten
Wohnens für psychisch kranke Menschen und Besucher der Tagesstätte des VOP ist es immer noch eine Ausnahme.
Seit Jahren führt der VOP Sommerfreizeiten durch, meist mit vereinseigenen Bussen und innerhalb der bzw. nahe den Landesgrenzen.
Auch in diesem Jahr durften wieder 12 Betreute des Ambulant Betreuten Wohnens und der Tagesstätte ihre Koffer packen.
Diesmal ging es auf vielfachen Wunsch, nach nunmehr fast zehn Jahren, wieder mal gen Süden zu Sonne, Strand und Meer.
Überlegungen wie z.B. "was, wenn da etwas passiert oder jemand eine Krise hat", auch "die Verständigungsschwierigkeiten,
wenn jemand ärztlich behandelt werden muss", dann "die Frage wie die Bewohner die lange Busfahrt überstehen" oder "wie wohl
die anderen Reiseteilnehmer reagieren werden" wurden von den Sozialarbeitern überdacht und als mögliches Risiko einkalkuliert.
1998 wurden, trotz vorherigen, kontrovers geführten Diskussionen, bei einer Spanienfreizeit bereits positive Erfahrungen gemacht.
Da jeder Bewohner die Kosten für die Reise selbst aufbringen musste und einige nur über sehr geringe Einkünfte verfügen,
wurde möglichst billig geplant. Oft wurde schon lange vorher jeden Monat etwas Geld für die Reise zurückgelegt.
Ende Mai war es dann endlich so weit. Der "Behindertenbus" blieb zu Hause und die Gruppe unterschied nichts mehr von den
Hunderten anderen Urlaubern, die ein Billigangebot der Vorsaison bei einer Reiseagentur gebucht hatten.
Am Freitagabend ging es vom Wörthplatz in Tauberbischofsheim los und nach 14 langen Stunden war endlich der kleine Urlaubsort
Njivice auf der Insel Krk in Kroation erreicht. Sowohl die Teilnehmer als auch die beiden Sozialarbeiter erlebten diese
Sommerfreizeit auf eine ganz andere Art und Weise. Während sonst oft die feste Planung und Strukturierung der Reise im
Vordergrund steht, die Gruppe als solche zusammenbleibt und häufig auch als "Behindertengruppe" auffällt, herrschte dort eine
lockere und zwanglose Atmosphäre. Jeder hatte viel mehr Spielraum seinen Tagesablauf nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten.
Ein häufig erklärtes Ziel in der sozialen Arbeit mit psychisch kranken Menschen ist die Teilhabe am öffentlichen Leben
und (Re-) Integration in die Gesellschaft. Unter den gegebenen situativen Bedingungen ergab sich dies ohne weiteres Zutun
zwangsläufig, denn in dem riesigen Hotelkomplex vermischten sich die Teilnehmer des VOP beim Frühstücks- und Abendessenbuffet
ohne feste Sitzordnung, beim Spaziergang oder Cafebesuch an der Uferpromenade wie auch beim Sonnenbaden am Strand und
Schwimmen im Meer spielerisch leicht mit den anderen, meist deutschen Touristen. Die anderen Urlaubsgäste sind oft
gelöster, entspannter und offener für neue Kontakte und zwanglose Gespräche. Der dortige Massentourismus hatte so
durchaus positive Aspekte: Nichts unterschied die Teilnehmer des VOP von den anderen Urlaubern.
Damit es für die aktiveren oder weniger sonnen- und strandhungrigen Teilnehmer nicht langweilig wurde, organisierten die
Sozialarbeiter Ausflüge zur Inselhauptstadt Krk und zu der nahe gelegenen Festland-Großstadt Rijeka sowie eine Bootsfahrt
entlang der Inselküste und eine Wandertour zur Landspitze Cuf. Dank eines Zuschusses vom Landratsamt Main-Tauber-Kreis war
es für alle möglich an einer Ausflugsfahrt zum berühmten Nationalpark der Plitvicer Seen teilzunehmen, die sich ansonsten
ein Teil der Bewohner des VOP nicht mehr hätte leisten können.
An einigen Situationen zeigte sich, dass die meisten der Teilnehmer alleine überfordert wären, eine solche Reise eigenständig
zu planen und ohne fachliche Begleitung durchzuführen; wenn sie es sich überhaupt trauen würden! Aber es wurde auch deutlich,
wie sehr eine fremde Umgebung und ein normales Milieu dazu beitragen, sich in dieses auch gut einfügen zu können.
Zu außergewöhnlichen Krisen kam es bei den Teilnehmern nicht. Nach 9 erholsamen wie auch abwechslungsreichen Tagen kehrte die
Reisegruppe des VOP am Pfingstsonntag wieder gesund und voller neuer Eindrücke und Erfahrungen zurück in den Alltag.
Fränkische Nachrichten,
6. Juni 2007
Dem Alltag den Rücken gekehrt
Sommerzeit - Urlaubszeit, so hieß es auch für die Bewohner und Betreuten des "Verein für offene Psychiatrie e.V." (kurz: VOP)
in Tauberbischofsheim. Für viele der Bewohner des VOP ist dies die einzige Urlaubsmöglichkeit
14 Betreute des "Ambulant Betreuten Wohnens" und des Tageszentrums durften auch in diesem Jahr ihre Koffer packen, um mit den
vereinseigenen Bussen für sechs Tage nach Heyda in den Thüringer Wald zu fahren. Am Dienstag ging es los. Nach einer kurzen Rast
und einer Besichtigung von Meiningen auf halber Strecke, war das neue Urlaubsdomizil an der Talsperre in Heyda erreicht. Nach der
Ankunft und Zimmerzuweisung wurde dann gleich mal die Umgebung erkundet. Von dort aus ging es am nächsten Tag nach Erfurt in den
Zoo, um dort Löwen, Giraffen und sonstige Exoten zu bestaunen. Am Donnerstag wurde die Feengrotte, ein Schaubergwerk mit märchenhafter
Tropfsteinhöhle, in Saalfeld erforscht.
Freitags machten sich die sportlicheren Teilnehmer auf, um in einer 3 ½ stündigen Wanderung den Stausee an der Talsperre in Heyda
zu umrunden. Außerdem folgte im Anschluss daran noch ein gemütlicher Spaziergang durch die Goethestadt Ilmenau.
Am letzten Tag wurde die Gedenkstätte Buchenwald besichtigt, mit anschließendem Bummel durch die Kulturstadt Weimar.
Daneben gab es Zeit zum miteinander Reden, zum gemeinsamen Spielen und zum Zusammensein, bei dem vielfältige soziale Kontakte entstanden sind.
Viel zu schnell kam für die Teilnehmer auch schon wieder der Tag der Abreise heran und einige wären gerne länger geblieben.
Gefreut hat sich der Verein über den finanziellen Zuschuss des Landratsamtes, den die zuständige Sozialdezernentin Frau Krug bewilligte.
Der Zuschuss trug dazu bei, die Kosten für die Reise relativ gering zu halten. Hierdurch war es auch für finanziell schwächer gestellte
Teilnehmer möglich einige abwechslungsreiche Tage, fernab von den Sorgen des Alltags, zu verbringen.
Juni 2006
Tauberbischofsheim.
Das Schauerwetter am letzten Samstag konnte den Besuchern des Herbstfestes des ‚Verein für offene Psychiatrie e.V.'(VOP)
nicht die Laune verderben. Die Organisatoren und Helfer des Festes ließen sich durch das sommerliche Hoch der vergangenen Woche
nicht irreführen. Sie waren auch auf schlechtes Wetter vorbereitet, was sich bei dem Dauerregen auszahlte.
Der beliebte Flohmarkt bot auch diesmal wieder zahlreiche Alltagsgegenstände wie auch Kuriositäten zu Schnäppchenpreisen.
Der Erlös des Herbstfestes dient der Arbeit des Vereines zur Unterstützung psychisch kranker Menschen im "Ambulant betreuten Wohnen"
und in der Tagesstätte. Darüber hinaus bot die Veranstaltung allen Betroffenen, Angehörigen und Interessierten die Möglichkeit zur Begegnung wie
auch zum Austausch von Informationen.
September 2005
Neues Fahrzeug für den Verein für Offene Psychiatrie
Tauberbischofsheim. Die Aktion Mensch e. V. hat es sich zu Aufgabe gemacht, Maßnahmen und Einrichtungen anerkannter freier gemeinnütziger Organisationen
im Bereich der Behindertenhilfe zu fördern. Dies kam dem "Verein für offene Psychiatrie e. V." (VOP) in Tauberbischofsheim zu Gute, der psychisch kranke
Menschen im Main-Tauber-Kreis ambulant betreut.
Dafür wurde die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs erforderlich, um die Ausflüge, Freizeiten wie auch anfallende Fahrten für Umzüge, Besorgungen,
und Hausbesuche im Betreuten Wohnen sowie Arbeitsaufträge in der Tagesstätte zu organisieren. Der überwiegende Teil der Anschaffungskosten
des Fahrzeugs wurde über Aktion Mensch finanziert. Die restlichen Mittel musste der Verein selbst aufbringen.
Zum Jahresende 2004 betreuten die Mitarbeiter des "Vereins für Offene Psychiatrie" 40 Personen im "Ambulant Betreuten Wohnen". Bis Mitte der 90-er
Jahre lebten die Betroffenen ausschließlich in Wohngemeinschaften in Tauberbischofsheim. Die Entwicklung der letzten Jahre macht es dem Verein möglich,
die Betroffenen immer häufiger auch in eigenen Wohnungen in ihrem Heimatort zu betreuen. Dies entspricht dem aktuellen bedarfsgerechten Anspruch einer
individuellen und an Wünsche der Betroffenen orientierten Hilfeleistung.
War früher ein Umzug nach Tauberbischofsheim in eine betreute WG erforderlich, so können heute psychisch kranke Menschen im ganzen Main-Tauber-Kreis in
ihrer eigenen Wohnung betreut werden. Ein Schwerpunkt hat sich mittlerweile in Bad Mergentheim ergeben, dort werden fünf Personen betreut. Außerdem
werden vier weitere Personen in den umliegenden Ortschaften von Tauberbischofsheim durch den VOP unterstützt.
Als Weiteres ist der VOP auch Träger der Tagesstätte, ein Tagesangebot für psychisch Kranke Menschen im Main-Tauber-Kreis. Mehr als 30 Besucher nehmen
das Angebot der tagesstrukturierenden Beschäftigung in Tauberbischofsheim und seit dem letzten Jahr auch in Bad Mergentheim gerne in Anspruch.